Montag, 24. Januar 2011

Zölibat II: Männer sind primitiv?

Was mich auch aufregt in dieser ewigen Diskussion: In unserer Gesellschaft scheint sich alles nur noch um Sex zu drehen. Obergärig, unterschwellig, offensichtlich, immer und überall. Daher bringt mich das wirklich auf die Palme, wenn man den Zölibat mit Missbrauch in Verbindung bringt. So nach dem Motto: Der Arme darf ja nicht und irgendwann muss es dann halt passieren!

Am meisten ärgert es mich, wenn diese primitive Verknüpfung ausgerechnet von Männern (!) in Diskussionen eingebracht wird. Da kann ich nur sagen: Bravo! Alice Schwarzer & Co haben ganze Arbeit geleistet! Wobei ich hier nicht Frau Schwarzer persönlich angreife, wohl aber das Denken, dass sie und ihresgleichen in den letzten Jahrzehnten scheinbar erfolgreich der Männerwelt eingepflanzt haben: Wer nämlich so argumentiert, der macht den Mann zum primitiven Affen, beherrscht von seinen Trieben.

Da werden alle Klischees unbewusst und freiwillig übernommen: Alle Stammtischwitze werden wahr! Der Mann denkt nicht mit dem Kopf, er denkt weiter unten, ist primitiv, hormon- und (zensiert)gesteuert. Beim Mann geht es nicht ohne und wenn man es ihm verbietet, dann ist man mitschuldig an der Zeitbombe, die unbarmherzig bis zur Explosion vor sich hintickt.

Und selbstverständlich eignet sich dieses Männerbild ideal für die Schuldzuweisung an die Institution. Adam spricht zum Papst: Die Frau, die du und deine Kirche mir vorenthalten haben, hat mich von der verbotenen Frucht naschen lassen.

War da nicht mal was mit Aufklärung? Nein, ich meine nicht  Dr. Sommer, sondern Kant und seine Kollegen von der Philosophenzunft. Der Mensch als Herr über seine Triebe, als Geistwesen mit Verstand und Intelligenz? Wenn es um den Zölibat geht, kehren wir zurück in die Steinzeit - zumindest die Männer.

Nein, es dreht sich nicht alles um Sex. Nebenbei bemerkt: auch nicht in der Ehe. Ehe findet nicht nur im Bett statt. Und Männer (und Frauen) - man glaubt es heutzutage kaum - können auch "ohne". Tatsächlich. Wirklich. Mit macht es sicherlich mehr Spaß, aber es ist ein Dürfen und kein Müssen. Wer Männer zu bloßen triebgetriebenen Halbaffen macht, der macht die Frau zu einem bloßen Instrument der Triebbefriedigung. Und das hätte immense Auswirkungen auf unser Rechtswesen!

Warum also so primitiv, ihr Männer in den Talkshows? Wo bleibt eure Würde, euer Sieg des Geistes über das Fleisch?

Kommentare:

  1. Das ist so wahr!
    *spricht eine Virgo, die echt nix vermisst*

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  2. Es gibt mindestens genauso viele männerfeindliche Männer wie frauenfeindliche Frauen, natürlich ist das so.... der gefallene Adam, der nicht sein Mannsein erfüllt fällt über seine eigene Mannesuntauglichkeit. Da funktioniert auch kein Wegschauen, Schweigen und Problem aussitzen - Vorsicht Falle!

    Die Frau (Eva) ist an allem Schuld? Na ich weiß nicht...

    :o)
    Märilu

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  3. Sehr gute Feststellungen, aber vielleicht sollte die Kirche deutlicher herausstellen, worum es ihr geht, und beim Thema Sex nicht alles in einen Topf werfen: Abtreibung, Verhütung (und zwar die, die eindeutig keine "Frühabtreibung" sein kann), Sex in der Ehe, bei dem es NUR um Spaß und nicht um Zeugung geht, vorehelicher Sex, Gewalt in jeglicher Form im Zusammenhang mit Sex, usw. Dann wird es natürlich von der Öffentlichkeit so wahrgenommen: die Kirche ist gegen jede Form von Sex und damit von Spaß am Sex, auch zwischen Leuten, die sich lieben und niemandem schaden. Eine Konzentration auf wirklich wichtige Punkte wie dass Abtreibung Mord ist, dass die Ehe und deren Unauflöslichkeit von Jesus gewollt ist, und dass Sex mit Liebe zu tun haben sollte, auch weil daraus im Zweifelsfall auch ein Kind entstehen könnte, und man eine Verantwortung hat, das wäre sicher gläubwürdiger und nachvollziehbarer, auch für gläubige Christen / Katholiken. Dagegen ist der Rigorismus (auch in der Ehe bitte Sex nur zur Zeugung eines Kindes, und auch da Verhütung nur durch die "natürliche" Methode) auch für Gläubige nicht nachvollziehbar. Wo hat Jesus bitte dazu etwas gesagt, wie Eheleute (!), die sich lieben, ihre Sexualität leben sollen?
    Übrigens: ich bin KEINE "Berufskritikerin" der katholischen Kirche, im Gegenteil, deshalb lese ich ja auch mit großem Interesse Ihren blog und auch den von Pfarrer Jolie

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