Donnerstag, 10. Februar 2011

A-Z innerkirchlicher Kommunikation

Lieber Hl. Bischof Gellert!

Von "A" wie "Alte Messe" bis "Z" wie "Zölibat": Es fällt auf, dass oftmals die tiefe Wahrheit zwar im Auge des Betrachters liegen könnte, er sie aber nicht sehen kann, weil er aus der falschen Perspektive schaut. Kommunikationspsychologisch hoch interessant: Es geht nie allein um die bloße sprachliche Vermittlung von Inhalten, sondern den Begriffen sind immer Konnotationen beigeordnet, die mitgesendet werden. Innerkirchlich hat sich in den letzten Jahren ein stringentes Konnotationsmuster gebildet, das von einem Großteil der Gläubigen übernommen wurde, sei es, weil man ihnen kirchliche Begriffe nie andes vermittelt hat, oder sie es auch gar nicht mehr wagen, die unterschwellige Bedeutung von theologischen Schlagwörtern zu hinterfragen.

Nur so ist zu erklären, warum manche theologische Wörter oder Aussagen zu bloßen Reizwörter oder Reizthemen wurden, deren negativen Reiz man nicht mehr in Frage stellt. Man mache einen Test und frage normale Katholiken über ihre Assoziationen zu bestimmten Wörtern oder Themen wie "Jungfrauengeburt", "Zölibat", "Amt", "Alte Messe", "Papst" - oder ganz schlimm: "Kirche und Sex". Sofern man überhaupt noch eine Antwort hört, so wird sie in den meisten Fällen negativ besetzt sein: Amt ist Macht, Zölibat ist Zwang, Alte Messe ist mit dem Rücken zum Voll, der Papst ist der alte Mann in Rom - und Kirche und Sex passen grundsätzlich nicht zusammen, wenn dann nur im Dunkeln unter der Bettdecke.

Das Erstaunliche ist: Diese Assoziationsketten werden uns nicht nur von außen von den Gegnern der Kirche aufgezwungen, sondern bereitwillig und ausgiebig von denen verkündet, die in der Kirche sind - oder zumindest glauben, darin zu sein. Und noch ärgerlicher: Sie werden von denen verkündet, die eigentlich in Amt und Würde sind, um vielmehr die Schönheit und den tiefen Sinn dieser Begriffe und Inhalte zu verkünden.

Da war z.B. dieser ältere Priester, den ich an für sich sehr schätze, der aber verkündete, die Alte Messe sei doch ganz schlimm, weil der Priester mit dem Rücken zum Volk zelebriere. Man braucht das nur einmal anders zu formulieren, und schon hat derselbe Sachverhalt eine ganz andere, erhellende und stärkende Bedeutung: Der Priester zelebriert mit der Gemeinde zum Kreuz hin. Er geht auf den Kreuzwegen des Lebens voran, führt uns durch das Dunkel des Lebens zum Ewigen Licht. Als Kind war ich immer froh, wenn mein großer Bruder als erster die Kellertreppe hinabstieg. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, ihm beim Betreten des Kellers vorzuwerfen, er drehe mir den Rücken zu. Im Gegenteil: Der sollte gefälligst nach vorne schauen, damit er sieht, was uns im Weg liegt und was da im Dunkeln auf uns wartet.

Es gibt auch noch eine positive Erfahrung: Wenn alle den Zölibat schlecht reden, so haben meine Schüler mir in der letzten Stunde gezeigt, dass es auch anders geht. Wir haben noch einmal über P. Kaximilian Kolbe gesprochen und ich fragte die Schüler, welche Glaubensinhalte ihn wohl bewegten, sich für einen anderen im KZ zu opfern. Und da kam auch der Zölibat zur Sprache: Eben weil Kolbe zölibatär lebte, hatte er diese Freiheit, leiblich das zu tun, was er in der Hl. Messe zelebrierte: Die Hingabe des Leibes für andere, sich ganz uns gar aufzugeben und notfalls wie derLeib des Herrn zerbrechen zu lassen.

Und damit ist keine Abwertung, im Gegenteil: damit ist eine Hochachtung des Ehesakramentes verbunden, denn Eheleute leben diese ganzheitliche Hingabe ja Tag für Tag füreinander und für ihre Kinder. Zölibat als Weg der Freiheit, sich ganz an die Kirche zu binden und ihr mit Leib und Seele zur Verfügung zu stehen. So wie die Ehe aus der Freihei lebt, sich in Freiheit an einen Menschen zu binden. Beides gehört zusammen. Eine Messe, ja, ein Messopfer, zwei Formen der Nachfolge.

Hl. Gellert, allzu oft verrät unsere Sprache unser Denken und Fühlen. Wir sollen die Frohe Botschaft verkünden, um den Menschen das Licht des Glaubens zu bringen - und finden doch oft genug nur noch Worte für unsere eigene Dunkelheit. Dass unsere Sprache des Glaubens wieder die Schönheit des Glaubens verkündet, dazu brauchen wir himmlische Hilfe: Hl. Gellert, hilf!

Kommentare:

  1. Das Beispiel mit dem großen Bruder, der als Erster die Kellertreppe hinuntersteigt, gefällt mir sehr gut. Es ist wirklich sehr wichtig, die positiven Aspekte dieser "Reizthemen" immer wieder sich selbst klarzumachen und dann auch anderen zu vermitteln.

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  2. Wenn ich an einer heiligen Messe teilnehme habe ich bisher beim Eintreten in die Kirche nie das Gefühl gehabt, eine dunkle Kellertreppe hinabsteigen und froh sein zu müssen, dass mein großer Bruder mir voran geht. Vielmehr habe ich das Gefühl, in einer Gruppe von Menschen aufgenommen zu werden, die sich in Jesu Namen versammelt hat, so dass Jesus mitten unter ihnen ist (Mt 18,20). Warum manche Geistliche dann meinen, dieser Mitte den Rücken zukehren und sich lieber vor einem menschengemachten Kreuz an der Wand verbeugen zu müssen, werde ich nie verstehen.

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  3. Darum geht es ja gar nicht: Nicht die Heilige Messe ist der Abstieg auf der dunklen Kellertreppe, wohl aber gibt es im Leben so manche Dunkelheit, die ich nur mit festem Blick auf das Kreuz durchleben kann. Darum geht es: Um den Blick auf den, der am Kreuz gestorben und dann von den Toten auferstanden ist.
    Wir haben in vielen Bereichen (z.B. Erstkommunion)einseitig diesen Versammlungsaspekt in den Mittelpunkt gestellt. Der ist ja auch nicht falsch, aber eben nicht alles: Das Leben hat viel Hartes zu bieten, ist mehr als eine fröhliche Mahlrunde mit Jesus um den Altar (der übrigens auch menschengemacht ist). Es ist auch mehr als die Nabelschau einer Gemeinde, die sich nur noch ins eigene Gesicht schaut. Diese beiden Aspekte dürfen wir auch nicht in der Katechese (und der Liturgie) unterschlagen: der erste steht dafür, dass wir mit Christus bereit sind, das Kreuz zu tragen (im Glauben an den Sieg des Lebens, die Auferstehung, der zweite, der Blick "über den gemeindlichen Tellerrand" dafür, dass wir missionarisch tätig werden. Ansonsten besteht zu sehr die Gefahr, uns einzuigeln und die Messe nur noch subjektiv zu erleben und daher auch nur dann zu feiern ("besuchen", wenn es "mir guttut".

    Im übrigen: Geistliche verbeugen sich nicht vor einem menschengemachten Kreuz, auch nicht vor einer menschengemachten Gemeindemitte. Ich verbeuge mich vor Christus, dem Herrn.

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